Drei neue Frauenmilchbanken in einer Woche: Deutschland baut Versorgung für Frühgeborene aus
Neue Einrichtungen in Duisburg, Osnabrück und Trier stärken das bundesweite Netzwerk – FMBI sieht wachsenden Rückenwind, mahnt aber fehlende Finanzierung und steigende Anforderungen an
NÜRNBERG | 11. März 2026 | Innerhalb weniger Tage haben drei Kinderkliniken in Deutschland Frauenmilchbanken (FMB) eröffnet: an den Sana Kliniken Duisburg (10. März), am Marienhospital Osnabrück (Mitte März) sowie am Klinikum Mutterhaus der Boromäerinnen in Trier (16. März). Die Frauenmilchbank-Initiative e.V. (FMBI) gratuliert allen drei Einrichtungen herzlich und wertet die Eröffnungen als ermutigendes Signal für die Versorgung kleiner Früh- und kranker Neugeborener in Deutschland.
„Drei neue Frauenmilchbanken in einer Woche – das ist ein starkes Zeichen. Immer mehr Kliniken verstehen: Frauenmilch hil Leben retten. Sie gehört zur modernen Neonatologie“, erklärt Dr. Rudolf Ascherl, Vorstandsmitglied der FMBI.
Spendemilch als Brücke für Frühgeborene
Wenn Mütter von Frühgeborenen noch nicht genügend Milch produzieren, schließen Frauenmilchbanken eine kritische Versorgungslücke. Insbesondere für Frühgeborene ist sie die empfohlene Alternative. Wissenschaftliche Studien belegen, dass Frauenmilch gegenüber künstlicher Nahrung Vorteile in der Nährstoffzusammensetzung bietet, das Immunsystem stärkt und vor schwerwiegenden Komplikationen schützt.
„Spendemilch ist optimal, bis die Milch der eigenen Mutter reicht. Durch Frauenmilchbanken bauen wir eine Brücke – für die vulnerabelsten Patientinnen und Patienten in unseren Kliniken“, so Ascherl.
Wachstum trotz struktureller Hürden – FMBI fordert politisches Handeln
Die erfreuliche Entwicklung darf nicht über Herausforderungen hinwegtäuschen. Die FMBI weist auf zwei dringende Problemfelder hin:
Fehlende Refinanzierung: Die Krankenversicherung erkennt den zusätzlichen organisatorischen und personellen Aufwand für den Betrieb von Frauenmilchbanken bislang nicht gesondert an – obwohl zahlreiche wissenschaftliche Studien den Nutzen von Frauenmilch für Frühgeborene belegen. Dies gefährdet die Tragfähigkeit bestehender und neuer Einrichtungen.
Regulatorische Anforderungen: Die neue europäische SoHO-Verordnung (Substanzen menschlichen Ursprungs) schafft einen einheitlichen Rechtsrahmen für Blut, Gewebe und Muttermilch, bringt aber umfangreiche neue Anforderungen. Die FMBI steht wegen der Umsetzung in nationales Recht im Austausch mit Ministerien und Behörden.
„Wir begrüßen jede neue Frauenmilchbank – aber ohne tragfähige Finanzierung und Rechtssicherheit riskieren wir, dass diese Einrichtungen nicht dauerha betrieben werden können. Politik und Kostenträger sind jetzt gefordert zu handeln“, betont Dr. Ascherl.
Über die Frauenmilchbank-Initiative e.V.
Die Frauenmilchbank-Initiative e.V. (FMBI) ist ein bundesweit tätiger gemeinnütziger Verein. Mitglieder sind Ärztinnen und Ärzte, Pflegefachkräe, Hebammen sowie Still- und Laktationsberater:innen, die sich für eine bessere Verfügbarkeit menschlicher Milch einsetzen. Der Verein wurde 1918 gegründet und zählt heute über 210 aktive Mitglieder in ganz Deutschland.
Über Milchspende
Frauenmilch (auch Spendemilch) bezeichnet – in Abgrenzung zu Muttermilch – die gespendete Milch einer anderen Mutter. Sie wird in spezialisierten Einrichtungen (Frauenmilchbanken) gesammelt, getestet, verarbeitet und abgegeben. Die erste Frauenmilchbank in Deutschland wurde 1919 gegründet. Bundesweit gibt es aktuell 59 Einrichtungen.
Pressekontakt
Dr. Rudolf Ascherl
Frauenmilchbank-Initiative e.V.
Telefon: 0160 94793393
E-Mail: r.ascherl@fmbi.de